Nachschlagewerk listet christliche Irrtümern über Juden auf
Herausgeber: "Alte Bilder vom liebevollen Vater des Neuen Testaments im Gegensatz zum zornigen Gott des Alten Bundes sind immer noch lebendig"
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Unter dem Titel "Von Abba bis Zorn Gottes. Irrtümer aufklären - das Judentum verstehen" hat der Gesprächskreis "Juden und Christen" beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ein "Handbuch" vorgelegt. Die von Paul Petzel und Norbert Reck herausgegebene Sammlung von 58 Stichwörtern aus Gebieten, in denen Judentum und Christentum einander berühren, analysiert Begrifflichkeiten und damit verbundene Irrtümer rund um das Judentum.
Trotz aller Erneuerung seien die alten Bilder vom liebevollen Vater des Neuen Testaments im Gegensatz zum zornigen Gott des Alten leider immer noch lebendig, so die Herausgeber. Das Buch wolle die alten Irrtümer aufdecken und Anregungen geben, wie stattdessen im Lichte der christlichen Neubestimmung des Verhältnisses zum Judentum von ihnen gesprochen werden könne.
Über 30 Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, Juden und Christen wirkten an dem Nachschlagewerk mit, das von der Deutschen Bischofskonferenz, der Waldenfels-Born-Stiftung sowie der Buber-Rosenzweig-Stiftung und dem ZdK unterstützt wird.

Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at

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Erneuerung der Kirchen
Perspektiven aus dem christlich-jüdischen Dialog

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Die Beziehung der Kirche sowie der Christinnen und Christen zum Judentum ist existenziell grundlegend. Diesen Impuls der Konzilserklärung Nostra aetate gilt es auch heute weiterzutragen. Die begonnene Erneuerung der Kirchen aus dem christlich-jüdischen Dialog birgt noch viele unausgeschöpfte Themen und ist in der kirchlichen Praxis noch lange nicht eingeholt. Der Band zeigt, wie spannend das theologische Feld ist, das mehr und mehr erschlossen und gepflegt werden will.
Der Titel des 290. Bandes in der Reihe Quaestiones disputatae "Erneuerung der Kirchen" hat den Charakter eines Weckrufes, geprägt von der Überzeugung, dass es auch im sechsten Jahrzehnt nach dem Konzil noch die nachdrückliche Aufforderung braucht, die Impulse von Nostra aetate weiterzutragen.Die Erneuerung der Kirchen mit Blick auf ihre jüdische Wurzel und gemeinsam mit ihren Wegbegleiter(innen) aus dem Judentum birgt noch viele unausgeschöpfte Themen und ist in der kirchlichen Praxis noch lange nicht eingeholt. Mit dem zeitlichen Abstand seit dem Konzil kann man heute klarer sehen, in welche Richtung der Weg führt. Die Beiträge dieses Bandes zeigen, wie spannend das theologische Feld ist, das mehr und mehr erschlossen und gepflegt werden will. Da die Beziehung der Kirche und der Christ(inn)en zum Judentum existenziell so grundlegend ist, darf man den Anstoß des Konzils nicht archivieren und formelhaft freundlichen Beteuerungen und Grußworten überlassen. In der Situation eines wachsenden Antisemitismus in Europa, der zu sehr toleriert und als "Es ist nicht antisemitisch gemeint!" legitimiert wird, gehört es zur essentiellen Aufgabe von Theologie und Kirche, diese anhaltende Zusammenarbeit auch nach außen klar sichtbar werden zu lassen.
Mit Beiträgen von: Philip A. Cunningham, Klaus Davidowicz, Peter Ebenbauer, Bruno Forte, Rainer Kampling, Edward Kessler, Armin Lange, Regina Polak, Johanna Rahner, Norbert Reck, Stefan Schima, Roman A. Siebenrock und Wolfgang Treitler.

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Wichtige Dokumente:


Zwischen Jerusalem und Rom
Gedanken zu 50 Jahren Nostra Aetate

Unterzeichner sind:
Die CER (Konferenz Europäischer Rabbiner ist die wichtigste Vereinigung von Rabbinern in Europa. Zu ihr gehören mehr als 700 religiöse Führer der etablierten Synagogengemeinden in Europa. Die Konferenz dient der Wahrung und Verteidigung der religiösen Rechte der Juden in Europa und wurde zur Stimme des Judentums in Europa.
Das Oberrabbinat des Staates Israels wird vom israelischen Recht als Leiter des religiösen Gesetzes und der geistlichen Autorität des jüdischen Volkes in Israel anerkannt. Ein Oberrabbinat unterstützt die beiden Oberrabbiner, die sich in ihrem Vorsitz abwechseln. Es hat rechtliche und administrative Autorität, religiöse Vorkehrungen für Israels Juden zu organisieren. Es reagiert auch auf halachische Fragen, die von jüdischen öffentlichen Körperschaften in der Diaspora eingereicht wurden. Das Oberrabbinat ist gesetzlich zuständig für Eheschließung und Scheidung unter Juden, Bestattung von Juden, Konvertierung zum Judentum, Etablierung der jüdischen Identität, Aufsicht über das rabbinische Gerichtssystem, Koscher-Zertifizierung und Aufsicht über heilige Stätten.
Der Amerikanische Rabbiner- verband (Rabbinical Council of America), mit Hauptsitz in New York City, ist eine Organisation im Dienste von mehr als 1000 orthodoxen Rabbinern in den USA, Kanada, Israel und der Welt. Mitglieder sind ordnungsgemäß ordinierte orthodoxe Rabbiner, die in den Gemeinden, auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung, in der Seelsorge und anderen Bereichen der jüdischen Gemeindearbeit tätig sind.





"Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt" (Röm 11,29) - Reflexionen zu theologischen Fragestellungen in den katholisch-jüdischen Beziehungen (10. Dezember 2015)
[Deutsch, Englisch, Französisch, Hebräisch, Italienisch, Spanisch]
(Ausschnitt)
24. Gott offenbarte sich in seinem Wort, so dass es von Menschen in konkreten geschichtlichen Situationen wahrnehmbar ist. Dieses Wort lädt alle Menschen zur Antwort ein. Entspricht er in seiner Antwort dem Wort Gottes, steht er im rechten Gottesverhältnis. Für Juden kann dieses Wort in der Tora und in den auf sie gründenden Traditionen erlernt werden. Tora ist Weisung zu einem gelungenen Leben im rechten Gottesverhältnis. Wer sich an die Tora hält, hat Leben in seiner Fülle (vgl. Pirqe Awot II,7). In besonderer Weise bekommt der Jude in der Tora-Observanz Anteil an der Gemeinschaft mit Gott. In dieser Hinsicht erklärte Papst Franziskus: „Die verschiedenen christlichen Konfessionen finden ihre Einheit in Christus; das Judentum findet seine Einheit in der Tora. Die Christen glauben, dass Jesus Christus das Wort Gottes ist, das Fleisch geworden ist in der Welt; für die Juden ist das Wort Gottes vor allem in der Tora gegenwärtig. Beide Glaubenstraditionen beziehen sich auf den einen Gott, den Gott des Bundes, der sich der Menschheit durch Sein Wort offenbart hat. Auf der Suche nach dem richtigen Verhalten gegenüber Gott wenden sich die Christen Christus zu, der für sie die Quelle des neuen Lebens ist und die Juden wenden sich der Lehre der Tora zu" (Rede an die Mitglieder des International Council of Christians and Jews, 30. Juni 2015).

Die Ziele des Dialogs mit dem Judentum (Ausschnitt)
44.
Erstes Ziel des Dialogs ist die Vertiefung der gegenseitigen Kenntnis zwischen Juden und Christen. Nur was man nach und nach kennen lernt, kann man auch lieben, und nur das, was man liebt, kann man auch richtig und vertieft verstehen. Mit dieser vertieften Kenntnis geht die gegenseitige Bereicherung einher, die die Dialogpartner zu Beschenkten macht.
46. Ein wichtiges Ziel des jüdisch-christlichen Dialogs besteht zweifellos darin, sich gemeinsam für Gerechtigkeit, Frieden, die Bewahrung der Schöpfung und Versöhnung in der Welt einzusetzen. …
47. Ein weiteres wichtiges Ziel im jüdisch-katholischen Dialog besteht in der gemeinsamen Bekämpfung aller Erscheinungen rassistischer Diskriminierung gegenüber Juden und aller Formen des Antisemitismus, der sicher noch nicht ausgerottet ist und immer wieder in verschiedenen Formen in unterschiedlichen Kontexten auftaucht. Die Geschichte belehrt uns, wohin auch nur die leichtesten angedeuteten Formen des Antisemitismus führen können: in die menschliche Katastrophe der Schoa, wo zwei Drittel des europäischen Judentums vernichtet wurden. Beide Glaubenstraditionen sind aufgerufen, gemeinsam eine ungebrochene Wachsamkeit und Sensibilität aufrecht zu erhalten, gerade auch auf dem sozialen Feld. Aufgrund des engen freundschaftlichen Bandes zwischen Juden und Katholiken, fühlt sich die Katholische Kirche besonders verpflichtet, zusammen mit unseren jüdischen Freunden alles zu tun, um antisemitische Tendenzen einzudämmen. Wiederholt hat Papst Franziskus betont, dass ein Christ niemals ein Antisemit sein kann, insbesondere weil das Christentum jüdische Wurzeln hat.




APOSTOLISCHES SCHREIBEN EVANGELII GAUDIUM DES HEILIGEN VATERS PAPST FRANZISKUS
Die Beziehungen zum Judentum
247. Ein ganz besonderer Blick ist auf das jüdische Volk gerichtet, dessen Bund mit Gott niemals aufgehoben wurde, denn » unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt « (Röm 11,29). Die Kirche, die mit dem Judentum einen wichtigen Teil der Heiligen Schrift gemeinsam hat, betrachtet das Volk des Bundes und seinen Glauben als eine heilige Wurzel der eigenen christlichen Identität (vgl. Röm 11,16-18). Als Christen können wir das Judentum nicht als eine fremde Religion ansehen, noch rechnen wir die Juden zu denen, die berufen sind, sich von den Götzen abzuwenden und sich zum wahren Gott zu bekehren (vgl. 1 Thess 1,9). Wir glauben gemeinsam mit ihnen an den einen Gott, der in der Geschichte handelt, und nehmen mit ihnen das gemeinsame offenbarte Wort an.
248. Der Dialog und die Freundschaft mit den Kindern Israels gehören zum Leben der Jünger Jesu. Die Zuneigung, die sich entwickelt hat, lässt uns die schrecklichen Verfolgungen, denen die Juden ausgesetzt waren und sind, aufrichtig und bitter bedauern, besonders, wenn Christen darin verwickelt waren und sind.
249. Gott wirkt weiterhin im Volk des Alten Bundes und lässt einen Weisheitsschatz entstehen, der aus der Begegnung mit dem göttlichen Wort entspringt. Darum ist es auch für die Kirche eine Bereicherung, wenn sie die Werte des Judentums aufnimmt. Obwohl einige christliche Überzeugungen für das Judentum unannehmbar sind und die Kirche nicht darauf verzichten kann, Jesus als den Herrn und Messias zu verkünden, besteht eine reiche Komplementarität, die uns erlaubt, die Texte der hebräischen Bibel gemeinsam zu lesen und uns gegenseitig zu helfen, die Reichtümer des Wortes Gottes zu ergründen sowie viele ethische Überzeugungen und die gemeinsame Sorge um die Gerechtigkeit und die Entwicklung der Völker miteinander zu teilen.




„Wir Juden und Christen haben viel mehr gemeinsam, als was uns trennt [...]
Wir sind alle im heiligen Ebenbild G-ttes geschaffen und Juden wie Christen werden diesem Bund treu bleiben, indem sie gemeinsam eine aktive Rolle bei der Erlösung der Welt übernehmen.“
Passagen aus der „Orthodoxen rabbinischen Erklärung zum Christentum" die eine Gruppe modern-orthodoxer Rabbiner, Leiter von Gemeinden, Institutionen und Seminaren in Israel, den USA und Europa verfasst haben. „G-tt“ ist eine transkribierung des Gottesnamens, der aus Ehrfurcht nicht ausgesprochen wird.


ZEIT ZUR NEUVERPFLICHTUNG – DIE ZWÖLF PUNKTE VON BERLIN
Wir, der Internationale Rat der Christen und Juden und unsere Mitgliedsorganisationen, erneuern unsere Verpflichtung auf die Zehn Thesen von Seelisberg, die unsere Anfänge inspiriert haben. Deshalb veröffentlichen wir den folgenden Aufruf an Christen, Juden und alle Menschen guten Willens.




Bibel und Moral. Biblische Wurzeln des christlichen Handelns (11. Mai 2008)
[Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 2008] [Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch]





Das jüdische Volk und seine heilige Schrift in der christlichen Bibel (24. Mai 2001) [Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 2001]
[Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch]
21. … Auf der anderen Seite darf die Feststellung einer Diskontinuität zwischen dem einen und dem anderen Testament und einer Überschreitung der alten Perspektiven nicht zu einer einseitigen Spiritualisierung der Texte führen. Was sich in Christus bereits erfüllt hat, das muss sich in uns und in der Welt noch erfüllen. Die endgültige Vollendung wird die des Endes sein, mit der Auferstehung der Toten und dem neuen Himmel und der neuen Erde. Die jüdische Messiaserwartung ist nicht gegenstandslos. Sie kann für uns Christen ein starker Ansporn sein, die eschatologische Dimension unseres Glaubens lebendig zu erhalten. Wir wie sie leben von der Erwartung. Der Unterschied ist nur, dass Derjenige, der kommen wird, die Züge Jesu tragen wird, der schon gekommen ist, unter uns gegenwärtig ist und handelt.

A.7. Der Beitrag der jüdischen Schriftlesung (Ausschnitt)
Müssen die Christen von nun diese Bibel wie die Juden lesen, um voll ihrem jüdischen Ursprung gerecht zu werden?

Hermeneutische Gründe zwingen uns, auf diese letzte Frage eine negative Antwort zu geben. Denn eine rein jüdische Lesung der Bibel führt notwendigerweise mit sich, alle ihre Voraussetzungen zu übernehmen, d. h. die vollständige Übernahme dessen, was das Judentum ausmacht, vor allem die Geltung der rabbinischen Schriften und Überlieferungen, die den Glauben an Jesus als Messias und Gottessohn ausschließen.

Für die erste Frage – die der Aneignung der jüdischen Schrift durch die Christen – stellt sich die Lage anders dar, denn die Christen können und müssen zugeben, dass die jüdische Lesung der Bibel eine mögliche Leseweise darstellt, die sich organisch aus der jüdischen Heiligen Schrift der Zeit des Zweiten Tempels ergibt, in Analogie zur christlichen Leseweise, die sich parallel entwickelte. Jede dieser beiden Leseweisen bleibt der jeweiligen Glaubenssicht treu, deren Frucht und Ausdruck sie ist. So ist die eine nicht auf die andere rückführbar.

Auf dem konkreten Feld der Exegese können die Christen gleichwohl viel von der jüdischen Exegese lernen, die seit mehr als zweitausend Jahren ausgeübt worden ist, und sie haben in der Tat im Laufe der Geschichte auch viel von ihr gelernt.47 Ihrerseits können sie hoffen, dass die Juden auch aus christlichen exegetischen Untersuchungen werden Gewinn ziehen können.



Richtlinien zur Darstellung der Juden und des Judentums in Predigten und der Katechese der Römisch-Katholischen Kirche [1985]
[Englisch, Französisch, Deutsch]



Ansprache des Papstes anläßlich des Besuches der römischen Synagoge am Sonntag, 13. April 1985., 4.
:
"Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas „Äußerliches“, sondern gehört in gewisser Weise zum „Inneren“ unserer Religion. Zu ihr haben wir somit Beziehungen wie zu keiner anderen Religion. Ihr seid unsere bevorzugten Brüder und, so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder."



Orientierungen und Hinweise zum Konzilsdekret Nostra Aetate (Nr. 4) [1974]
[Französisch, Englisch]
[The] links and relationships [“binding the Church to Judaism”] render obligatory a better mutual understanding and renewed mutual esteem. On the practical level in particular, Christians must therefore strive to acquire a better knowledge of the basic components of the religious tradition of Judaism; they must strive to learn by what essential traits Jews define themselves in the light of their own religious experience. (Preamble)


Synode der Erzdiözese Wien 1970-1971

Die Kirche anerkennt das Alte Testament ebenso wie das Neue Testament als Anrede und Weisung Gottes. Christen und Juden sind Zeugen des lebendigen Wortes Gottes und des Heilswirkens Gottes geworden. Existenz und Geschichte des Judentums sind (nach Röm 9-11) für die Christen ein Heilsmysterium, der Neue Bund in Christus die Verheißungen des Alten Bundes nicht außer Kraft gesetzt hat. Christen und Juden verbindet die gemeinsame Hoffnung auf die volle Offenbarung des Reiches Gottes.
„Es widerspricht der Lehre der Kirche Christi (cp. Vaticanum II, Nostra Aetate, Artikel 4), die den Juden durch Jahrhunderte von Christen und Nichtchristen zugefügten Leiden und Demütigungen als Folge einer Verstoßung durch Gott zu deuten. Daher müssen sich alle Christen von antijüdischen Affekten freihalten und etwaigen antisemitischen Diskriminierungen seitens anderer entgegentreten. Die Kirche von Wien erwartet von den Katholiken, dass sie nichts unversucht lassen, um die zwischen ihnen und den Juden bestehende und durch traditionelle Missverständnisse genährte Entfremdung zu überwinden.“.




ERKLÄRUNG NOSTRA AETATE
ÜBER DAS VERHÄLTNIS DER KIRCHE
ZU DEN NICHTCHRISTLICHEN RELIGIONEN

Die jüdische Religion

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, daß nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.

Sie bekennt, daß alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach (6) in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und daß in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (7). Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (8). Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, daß "ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt" (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria.

Auch hält sie sich gegenwärtig, daß aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.

Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt (9), und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt (10). Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (11). Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm "Schulter an Schulter dienen" (Soph 3,9) (12).

Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (13), kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.

Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.

Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.