Kirchen warnen vor Populismus in Politik und Religion

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Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der römisch-katholischen Pfarre St. Johann Nepomuk in Wien-Leopoldstadt gedachten die christlichen Kirchen am Dienstagabend ihrer jüdischen Wurzeln und ihrer Verantwortung für den mitverschuldeten Antijudaismus und Antisemitismus. Zu dem Gottesdienst am "Tag des Judentums" (17. Jänner) eingeladen hatte der Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ). Für die Predigt verantwortlich zeichnete der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner, der aber erkrankt war. Im christlich-jüdischen Dialog gehe es um das "Überschreiten von Grenzen und das gegenseitige Zuhören", womit sich so manches Vorurteil überwinden lasse, zitierte deshalb die methodistische Pastorin Esther Handschin aus dem Predigtmanuskript Lederleitners. mehr…

NEUJAHRSEMPFANG DER SERBISCH-ORTHODOXEN KIRCHE

Dank für das Vertrauen und die großzügige Hilfe der kommunalen und staatlichen Behörden wie auch der Ökumene

Den Dank für das Vertrauen und die großzügige Hilfe der kommunalen und staatlichen Behörden - wie auch der Ökumene - gegenüber der serbisch-orthodoxen Kirche brachte Bischof Andrej (Cilerdzic) am Samstagabend beim Neujahrsempfang seiner Kirche zum Ausdruck. Der Neujahrsempfang in der serbisch-orthodoxen Kirche zur Auferstehung Christi in der Engerthstraße in Wien-Leopoldstadt – einer eindrucksvoll zum Gotteshaus umgebauten früheren Tramway-Remise – begann mit einem feierlichen Vespergottesdienst in deutscher Sprache, an den sich ein Konzert zweier serbischer Chöre und dann der Empfang im Gemeindesaal anschloss.

Bischof Andrej , der aus Düsseldorf stammt, berichtete, wie er schon als Kind beim Bau der von seinem Vater initiierten serbischen Kirche St. Sava in der nordrheinischen Stadt die gute Zusammenarbeit zwischen Kirche und Kommunalbehörden erlebt habe. In seiner Zeit im Belgrader Patriarchat hätten ihn dann immer wieder die schönen Empfänge in der österreichischen Botschaft beeindruckt. Umso mehr habe es ihn gefreut, dass in seiner Wiener Eparchie vor zwei Jahren die Initiative für einen alljährlichen Neujahrsempfang entstanden sei. Mit einer Weihnachtsgeschichte machte der serbische Bischof deutlich, wie wichtig es ist, rasche Vorurteile noch einmal zu überprüfen und sie damit auch zu überwinden. Ausdrücklich dankte Bischof Andrej auch Kardinal Christoph Schönborn für die Schenkung der Neulerchenfelder Kirche, wo sich bei der Liturgie am Sonntag mittlerweile jetzt oft 1.000 serbische Gläubige einfinden.

An dem Neujahrsempfang nahmen u.a. der serbische Botschafter Pero Jankovic, Sektionschef Matthias Tschirf, der Leopoldstädter SP-Klubobmann Christoph Zich, der bisherige Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Lothar Pöll, und der Pfarrer der benachbarten katholischen Pfarre St. Johann Nepomuk, Konstantin Spiegelfeld, teil.

Quelle: Pro Oriente

Trauer um armenischen Alterzbischof Mesrob Krikorian

Mesrob_Krikorian-20141105_0813Der seit 1959 in Wien wirkende armenisch-apostolische Theologe war einer der großen Vorkämpfer und Wegbereiter der Ökumene
Mit der armenisch-apostolischen Kirche trauern alle christlichen Kirchen in Österreich um den emeritierten armenischen Erzbischof Mesrob Krikorian, der am Samstag im 85. Lebensjahr gestorben ist. Krikorian war einer der Vorkämpfer der Ökumene in Österreich. Besonders verbunden war er auch mit der Stiftung "Pro Oriente", wie diese mitteilte. Seit 1959 wirkte Krikorian als Seelsorger in Österreich. In der offiziellen Mitteilung aus Etschmiadzin wird der Tod von Erzbischof Krikorian als "großer Verlust für die armenisch-apostolische Kirche" bezeichnet. Katholikos-Patriarch Karekin II., der Oberste Geistliche Rat der armenischen Kirche und der ganze Klerus seien in tiefer Trauer wegen des Heimgangs von Erzbischof Krikorian.mehr…

Wien: Gedenken an Auslöschung jüdischen Lebens 1938

Noch nie waren die Voraussetzungen für einen zukunftsorientierten positiven Dialog zwischen Christen und Juden so gut wie jetzt. Zugleich dürfe die schuldbeladenen Geschichte niemals in Vergessenheit geraten: Das war der Tenor einer christlich-jüdischen Veranstaltung im Wiener Bezirksamt Fünfhaus im Gedenken an den Turnertempel. Der Turnertempel im 15. Bezirk wurde nach der Synagoge in der Seitenstättengasse und dem Leopoldstädter Tempel als dritte Synagoge Wiens erbaut. Er wurde im November 1938 im nationalsozialistischen Furor der "Reichspogromnacht" völlig zerstört und niedergebrannt. Ein wertvolles Kulturgut und ein religiöser Ort wurde ausgelöscht, während Passanten und Nachbarn einfach zusahen und auch die Feuerwehr nichts gegen den Brand unternahm.
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Was das Judentum der Welt schenkt

Oberrabbiner Arie Folger, die höchste religiöse Instanz des Judentums in Österreich, schweigt kurz: Auf die Frage, welches Buch der Hebräischen Bibel er am meisten schätzt, sagt er nach einigen Augenblicken des Nachdenkens: „Eine besondere Inspiration beziehe ich aus Esra-Nehemia.“ Warum?
 
„Weil Esra und Nehemia in einem Umfeld werkten, in dem Juden lange keine jüdische Erziehung hatten.“ Die Juden kamen damals aus dem Babylonischen Exil zurück nach Israel. Und sie mussten wieder lernen, jüdisch zu leben. Folger: „Am ersten Tag des siebten Monats kommen sie zu Esra und sagen: Wir wollen Torah lernen, was ist das Judentum? Und sie lesen sechs Stunden lang aus der Torah. Am nächsten Tag lesen sie weiter. Und dann entdecken sie das Laubhüttenfest, das bald gefeiert werden soll.“
 
Solche Szenen hat Folger schon öfters erlebt, wenn Leute den Weg zurück zu ihrem Judentum finden. „Dass diese Menschen das Judentum dann neu als Bereicherung empfinden, das gibt mir Mut“, sagt der Oberrabbiner.
 
Herr Oberrabbiner, wenn Sie das Judentum in wenigen Sätzen erklären müssten, wie würden diese Sätze lauten?

Arie Folger: Das jüdische Volk sieht sich als auserwähltes Volk mit einem bestimmten Auftrag, um eine Art Gesellschaft aufzubauen, damit bestimmte, von Gott erwünschte Werte in die Welt eindringen. Eine Gesellschaft, die quasi als Modell-Gesellschaft dienen kann, woraus Leute sich inspirieren lassen können.

Der Plan, wie diese Gesellschaft aufzubauen ist, basiert auf der Torah als Verfassung. Das Zentrum dieser Gesellschaft ist das Heilige Land und die jüdischen Gemeinden weltweit sind die Satelliten dieser Gesellschaft.
 
Was ist das Geschenk des Judentums an die Menschheit?
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