Buchempfehlung

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Bibel falsch verstanden Hartnäckige Fehldeutungen bibl. Texte erklärt
Hieke, Thomas/Huber, Konrad (Hrsg.)

Eine Vielzahl von biblischen Missverständnissen wird aufgeklärt und erklärt. Wie häufig diskutierte der Freundeskreis über die Frage des Schaffungsprozesses der Welt? In sechs Tagen geschaffen und am siebten Tag war Ruhetag - geht doch gar nicht. Beispielsweise diese Frage wird wissenschaftlich und für den Laien verständlich erklärt. Und kennen wir nicht alle den Spruch "Von Saulus zum Paulus"? Und eine Jungfrau Maria gebar Jesus? Endlich findet jede Leserin und jeder Leser zufriedenstellende Antworten und des Rätsels Lösung. Jede/r kann nicht nur ihr/sein eigenes Wissen erweitern, sondern auch extreme Argumente souverän entwirren. Mit diesem Buch ist jeder gewappnet für religiöse Diskussionen!
Herausgeber

Dr. Thomas Hieke, geb. 1968, ist Professor für Altes Testament an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Prof. Dr. Konrad Huber, 1965, ist Professor für Neues Testament an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Verlag: Katholisches Bibelwerk

Ostern und Pessach

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In den Tagen vom 8. bis zum 16. April feiern Jüdinnen und Juden in diesem Jahr 2020 Pesach. Das Pessachfest erinnert an die Befreiung des jüdischen Volkes aus der ägyptischen Sklaverei und an die Rettung beim Durchzug durch das Rote Meer. Das achttägige Fest beginnt am Sederabend mit einem Synagogengottesdienst und einem Festmahl im Familienkreis. Etwa zur gleichen Zeit gehen orthodoxe und westliche Kirchen in die Hohe Woche: In der Nacht zum 11. April für die westliche Kirche und 18. April für die orthodoxe Kirche, der Pascha-Vigil, beginnt für sie jene Fünfzig-Tage-Zeit, die „wie ein einziger Ostersonntag“ zu feiern ist (Tertullian). Was gibt Juden wie Christen Anlass zu solch lang anhaltender Festesfreude? Und was wird in jener außergewöhnlichen Nacht gefeiert, die so anders ist als alle anderen Nächte? Pesach und Ostern sind „zwei Feste wie zwei Schwestern“ (Clemens Leonhard) – was aber macht ihren Eigencharakter, was die Verwandtschaft aus?

Chag sameach we pesach kasher! Gesegnete Ostern!
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"Lichter der Hoffnung" leuchten in ganz Österreich

kerzeKatholische, evangelische und orthodoxe Kirche in Österreich rufen zum gemeinsamen Gebet auf - Christen aller Konfessionen eingeladen, jeden Tag um 20 Uhr Vaterunser zu beten und brennende Kerze ins Fenster zu stellen mehr…

Rabbiner Jaron Engelmayer zum neuen Oberrabbiner von Wien gewählt

Nach einem Auswahlprozess des Rabbinerfindungskommissions und einem letzten öffentlichen Hearing vor dem Kultusvorstand und interessierter Gemeindemitglieder wurde der 43-jährige Rabbiner Jaron Engelmayer zum neuen Oberrabbiner von Wien gewählt.

Rabbiner Jaron Engelmayer war am 18. Februar 2020 bereits zu Gast im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit Gesprächsabend Judentum und Ökologie

Arbeitsbericht 2019/20

Ökumene-Ausschuss des Vikariatsrates Wien-Stadt
Arbeitsbericht 2019/20

Allgemeines

Leiter: Dechant Ferenc Simon
Schriftführerin: Dr. Elisabeth Lutter
12 ständige Mitglieder (mehrheitlich Dekanats-Ökumenebeauftragte: 2,12,13,17,18,19)
Zweimonatliche Sitzungen
Schwerpunkte: Kontakte zu den Kirchen der Reformation, der Orthodoxie und dem Judentum
Regelmäßige Aktivitäten:
* Jährliche Veranstaltungen: Ökumene-Exkursion, Ökum. Erntedank, Ökum. Pogrom-Gedenken, Ökum. Passionsmeditation, Ökum. Ostervesper, Ökum. Pfingsttagung, Dekanatskonferenz mit Schwerpunkt Ökumene des Dekanates 2/20
* Jährliches Ökumene-Symposion (zusammen mit Diözesankommission Ökumene und Pro Oriente)
* Jährliche „Einstimmung in den Tag des Judentums“ als Lehr und Bedenktag, in wechselnden Bezirken. 2017 mit dem Ökumenepreis ausgezeichnete 5-Jahres-Dokumentation (E. Lutter hsgr)
* Zusammenarbeit mit dem ÖRKÖ („Ökumenische Gespräche“ mit ÖRKÖ-Vertretern)
* Homepage und Newsletter oekumene.wien (regelmäßige, zeitnahe Info über ökum. Veranstaltungen und Dokumente)

2019

  1. Einstimmung in den Tag des Judentums in Ottakring - „Hubertempel und Kuffnerfamilie“ 16.01.2019
  2. ÖRKÖ-Festgottesdienst in der Weltgebetswoche, über Initiative von Ausschussmitgliedern in Wien-Döbling, Ev.Weinbergkirche (mit allen ÖRKÖ-Mitgliedern!), 25.01.19
  3. ÖRKÖ-Ökum.Gespräch mit Metropolit Arsenios, 27.03.2019
  4. Ökum. Passionsmeditation mit Pfr.in Leuthold (ev.A.B.) und Pfr. Rodt (r.k.), „Weltmuttersprache Mitgefühl“, Evang. Weinbergkirche,22.03.2019,
  5. Ökum. Pfingsttagung „Ökumene und die christl. Werte in der EU“, Univ.Prof.H.Ritt, 06.06.2019
  6. Ökum.Goldene Hochzeit E.+ HJ. Lutter (konfess.verbind.Paar), Ev. Weinbergkirche, mit Bischof H. Sturm (ev.), Pfr.Univ.Prof.H.Ritt (rk.), P.Univ.Prof.G.Braulik (rk.), Pfr. M.Eikenberg. 29.06.2019
  7. Ökumene-Exkursion Wiener Neustadt-Naßwald mit HR Dr. Ernst Petritsch, 20.09.2019,
  8. Ökum. Erntedank „Von Grinzing zum Kaasgraben“, 27.09.2019, P. Seb. Leitner OSFS und Pfr.Thomas Wetschka (altkath.).
  9. Ökumene-Symposion „Ökumene und Weltreligionen“, 15.10.2019, Prof.Dr.Bsteh, serb..orth. Bischof Andrej Cilerdzic,
  10. Pogrom-Gedenken im Jüd. Museum Wien,10.11.2019, Lesung aus: Hans Gamliel „Eine jüdische Kindheit im Nachkriegs-Wien“, Das Manuskript zum Buch wurde von Elisabeth Lutter als Zeitzeugnis lekturiert und veröffentlicht.
  11. Dekanatskonferenz des Dekanates 2/20 mit Schwerpunkt Ökumene in der serb.-orth. Kirche am 15.01.2019 mit dem Thema: Gespräch mit P. Emanuel Nutu über die neue rum-orth. Kirche

2020

  1. Einstimmung in den Tag des Judentums in Brigittenau - „Mazzesinsel“, 16.01.2020,
  2. ÖRKÖ-Gespräche zum Vorjahrsende mit Bischof Andrej und Pfr. Esther Handschin
  3. Dekanatskonferenz des Dekanates 2/20 mit Schwerpunkt Ökumene in der serb.-orth. Kirche am 11.02.2020 mit dem Thema: Schöpfungsverantwortung
  4. Ökum. Passionsmeditation mit Pfr. Matthias und Pfr.in Gina Eikenberg, Evang. Weinbergkirche, 11.03.2020
  5. 24.03.20, JIFE/VHS Praterstern, Dechant Ferenc Simon mit Mag. Yuval Katz: „Du darfst... essen“
  6. Ökum. Pfingsttagung „Pastoral heute: ‚Religionsloses‘ Reden in einer säkularisierten Gesellschaft“, Superintendent Dr. Matthias Geist (evang.A.B.), Bez.Vorstehung Wien 19, 28.05.2020 (in Vorbereitung)
  7. Ökumene-Jubiläumsexkursion (5 Jahre!) ins Zipser Land, 03.-06.09.2020, 56 Personen
  8. Ökumen. Erntedank in Heiligenstadt, von St. Michael nach St. Jakob (Beethovenhaus),25.09.2020
  9. Ökumene-Symposion (in Planung)
  10. Ökum. Pogrom-Gedenken (mit Bezug auf die 1. Geserah 1421), 09.11.2020, In der Krim Wien 19, „Christl.-jüd. Erinnerungen zwischen Krottenbach und Kaasgraben“ mit Mag. Tina Walzer (in Planung)
  11. ÖRKÖ-Gespräch mit Bischofsvikar Nikolae Dura (in Planung)

Ökumenische Vergebungsbitte: Kirchen feiern "Tag des Judentums"

Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben die christlichen Kirchen in Österreich des "Tages des Judentums" (17. Jänner) gedacht. Der vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) ausgerichtete Gottesdienst fand am Freitagabend in der Kirche der evangelisch-reformierten Gemeinde Wien-Süd statt. Ihm stand der neue ÖRKÖ-Vorsitzende Prof. Rudolf Prokschi vor. In seiner Predigt unterstrich Prokschi, dass der "Tag des Judentums" zugleich ein Tag des gemeinsamen christlichen Bittens um Vergebung für das Leiden sei, welches der christliche Antisemitismus immer wieder in der Geschichte über die Juden gebracht habe. "In ökumenischer Verbundenheit denken wir an das Volk Israel, weil es uns alle etwas angeht". So solle laut Prokschi sichtbar werden, "wie wertvoll uns allen das Judentum ist".

Die Bitte um Vergebung sei stets an die Hoffnung auf Versöhnung geknüpft, führte der ÖRKÖ-Vorsitzende im Gespräch mit "Kathpress" weiter aus. Eine solche Versöhnung könne gewiss nicht verordnet werden, vielmehr sei die Grundbedingung für gelingende Versöhnung die Erinnerung. Im Rückblick auf die eigene Geschichte könnte schließlich keine christliche Kirche von sich behaupten, sich nicht einmal schuldig gegenüber dem Judentum gemacht zu haben.

Bei dem Gottesdienst erinnerte außerdem der Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Martin Jäggle, an die Gründung des Ausschusses vor 64 Jahren. Damals, im Jahr 1956, sei es noch außergewöhnlich gewesen, dass Jüdinnen und Juden sich auf das Gespräch mit Christen einließen. Heute würde der vom Koordinierungsausschuss strukturierte Dialog u.a. in den Bereichen Bildung und Wissenschaft erfolgreich weiter geführt, so Jäggle.

An dem Gottesdienst nahmen u.a. der griechisch-orthodoxe Bischofsvikar Ioannis Nikolitsis, Pastorin Esther Handschin, Superintendent Matthias Geist, der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner, der syrisch-orthodoxe Chorepiskopos Emanuel Aydin und der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic teil.

Der "Tag des Judentums" wurde im Jahr 2000 vom ÖRKÖ eingeführt mit dem Ziel, dass sich Christen in besonderer Weise ihrer Wurzeln im Judentum und ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden. Zugleich soll mit und an diesem Tag auch das Unrecht an jüdischen Menschen und ihrem Glauben in der Geschichte thematisiert werden. Die Initiative zum "Tag des Judentums" geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück.

Auch in Italien, Polen und den Niederlanden wird der Tag des Judentums begangen. Das Datum dafür wurde bewusst gewählt: So sollen die Kirchen den Geist dieses Tages in die anschließende weltweite "Gebetswoche für die Einheit der Christen" (18. bis 25. Jänner) weiter tragen; denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, so die Veranstalter.

Weitere Informationen und Meldungen rund um den "Tag des Judentums" und die "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" im Kathpress-Dossier unter www.kathpress.at/oekumene

Quelle: www.kathpress.at/oekumene

Sonntag des Judentums

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Plädoyer für einen »Sonntag des Judentums«

Prof. Dr. Martin Jäggle

Seit über 20 Jahren begehen die Kirchen Österreichs jeweils am 17. Jänner den "Tag des Judentums". Als Gedenktag im Kirchenjahr führte der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) diesen Tag ein. Christinnen und Christen sollen ihrer Wurzeln im Judentum und ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusstwerden. Zugleich lädt dieser Tag ein, an jüdischen Menschen und ihrem Glauben begangenen Unrechts in der Geschichte zu gedenken. Wie sehr sich der "Tag des Judentums" in diesen Jahren etabliert hat, zeigen die vielfältigen Veranstaltungen und Gottesdienste in Österreich. Was mit "Gedenktag" begonnen hat, wurde um einen "Lerntag" erweitert, um einen "Tag des Lernens vom Judentum". Das hat vielfältige Formen und findet an unterschiedlichen Orten statt.

Entscheidend dabei ist, nicht über das Judentum zu lernen, sondern vom Judentum und besonders mit mit Jüdinnen und Juden.

An Schulen und Jugendzentren werden jüdische Jugendliche eingeladen, um über ihre Religion mit Gleichaltrigen ins Gespräch zu kommen. Unterstützung finden solche Initiativen bei LIKRAT, dem Dialogprojekt mit Jugendlichen der Jüdischen Gemeinde.

In den Sonntagsgottesdiensten der Kirchen werden für die Homilie zu den Lesungen aus dem Alten/Ersten Testament jüdische Schriftauslegungen herangezogen, weil die Christen "viel von der jüdischen Exegese lernen" können, wie der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Josef Ratzinger, betonte.

Das Katholische Bibelwerk und die Österreichische Bibelgesellschaft laden einen international führenden Rabbiner zu einem Vortrag über jüdische Schriftauslegung ein und die Jüdische Gemeinde stellt dafür ihr Gemeindezentrum zur Verfügung. Entscheidend dabei ist, nicht über das Judentum zu lernen, sondern vom Judentum und besonders mit mit Jüdinnen und Juden.

Der Wunsch von Dechant Ferenc Simon, Diözesanbeauftragter für jüdisch-christliche Zusammenarbeit in der Erzdiözese Wien, nach einem "Sonntag des Judentums" hat eine innere Logik, wie er treffend sagt: "Wir hätten dann zwei thematische Sonntage, die wie eine Klammer die ‚Gebetswoche für die Einheit der Christen‘ rahmen würden. Den 'Sonntag des Judentums' am Beginn und den 'Sonntag des Wortes Gottes' am Ende der Gebetswoche."

2021 ist der 17. Jänner ein Sonntag. Dann wird aus dem "Tag des Judentums" ein "Sonntag des Judentums" und alle Kirchen können in ihren Sonntagsgottesdiensten dem Anliegen des "Tag des Judentums" entsprechen. Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit wird sie dabei unterstützen.

So würden die Kirchen auch ihrer Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus gerecht werden, einer Aufgabe, die erstmals im Regierungsprogramm 2020-2024 einen breiten Raum einnimmt. Zugleich wäre dies eine angemessene Antwort im Gedenken der "Wiener Gesera" und ihr blutiges Ende am 12. März 1421.

Dr. Martin Jäggle ist Präsident des Koordinierungsausschusses für jüdisch-christliche Zusammenarbeit.

Quelle: https://www.katholisch.at/standpunkt/jaeggle/tagdesjudentums

"Tag des Judentums": Kirchen gegen antisemitische "Fake News"

"Wer 'Fake News' über Juden verbreitet, ist kein Christ": Das hat Dechant Ferenc Simon, Vertreter der katholischen Kirche im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, bei der Einstimmung in den "Tag des Judentums" am Donnerstagabend in Wien hervorgehoben. Das jährlich am 17. Jänner begangene Gedenken der christlichen Kirchen sei gerade jetzt nötig, angesichts von neuerlicher Hetze gegen Juden in europäischen Ländern bis hin zu offener Gewalt, so der katholische Geistliche im Festsaal der Bezirksvorstehung Brigittenau. Die Veranstaltung solle klarstellen, "dass wir Antisemitismus niemals, weder in der Vergangenheit noch in Gegenwart und Zukunft, dulden".

Simon verwies auf Gewalttaten an der jüdischen Bevölkerung, zu welchen die Verbreitung von Falschnachrichten über sie im Laufe der Geschichte geführt hätten; darunter neben den Gräueln des Holocausts auch frühere Verfolgungen, Pogrome und zweimalige Ausweisungen aus Wien in den Jahren 1420 und 1670. Auch die Kirchen hätten sich daran beteiligt: Vor 350 Jahren sei an der Stelle der einstigen Synagoge die Pfarrkirche St. Leopold errichtet worden, erinnerte der Dechant. Koordinierungsausschuss-Präsident Martin Jäggle verwies darauf, dass die in Wien-Brigittenau liegende Pfarre St. Johannes Kapristan bis heute den Namen eines "Hetzers gegen Juden" trage.

Gemeinsam mit dem altkatholischen Pfarrer Thomas Wetschka trug Simon bei dem interreligiösen Abend ein Schuldbekenntnis und Vergebungsbitten der christlichen Kirchen vor. Gerne hätten sich die Kirchen Gaben wie das Alte Testament, den Gottesdienst, die Verheißungen und den Bund Gottes zu seinem Volk Israel angeeignet, hieß es darin. An diesem hätten sie jedoch jahrhundertelang "namenloses Leid und Tod" verursacht: Christen hätten sich am Volk Israel "schuldig gemacht" und seien auch heute "nicht wachsam genug, wenn Menschen wegen ihrer jüdischen Herkunft oder ihres Glaubens angefeindet und verachtet werden".

Erinnern an einstige Vielfalt

Der Gedenkabend wurde heuer zum siebten Mal veranstaltet. Jährlich findet er in einem anderen Wiener Gemeindebezirk statt und ruft dessen jeweilige jüdische Geschichte in Erinnerung. Wien-Brigittenau habe früher gemeinsam mit der Leopoldstadt die so genannte "Mazzes-Insel" gebildet, dem Gebiet mit dem höchsten Anteil jüdischer Bevölkerung Wiens, hob die Moderatorin des Abends, Elisabeth Lutter, hervor. Deutlich machten dies auch jüdische Schulen wie das heutige Gymnasium Karajangasse, das in NS-Zeiten bei laufendem Betrieb als Anhaltegefängnis fungierte, wie auch die beiden Synagogen in der Kluckygasse und Kaschlgasse, deren Gedenken die Veranstaltung zum "Tag des Judentums" gewidmet war.

Benjamin Nägele, der neue Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), bezeichnete den "Tag des Judentums" als wichtigen Anstoß der christlichen Kirchen, um an das einst vielfältige jüdische Leben in Österreich zu erinnern. Juden und Christen verbinde u.a. die im Alten Testament beschriebene "Sorge um Gerechtigkeit", die auch das gemeinsame "Nie wieder!" zum Antisemitismus sagen ließen. Nägele würdigte zudem die Bemühungen des Brigittenauer Bezirks, an das vielfältige jüdische Leben von einst zu erinnern und die eigene Geschichte aufzuarbeiten, u.a. durch historische Stadtspaziergänge und eine seit 1999 bestehende Gedenkausstellung im Brigittenauer Gymnasium.

Wie schwer es sei, Urteile über Akteure von einst zu fällen, zeigten Beiträge der Historikerin Tina Walzer und des Mediziners und Synagogen-Forschers Pierre Genee, die u.a. die Rolle von Benjamin Murmelstein (1905-1989) beleuchteten. Der aus Galizien stammende Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien im Brigittenauer Tempel und spätere Judenälteste im Ghetto Theresienstadt kooperierte mit den Nationalsozialisten als Leiter deren Wiener "Auswanderungsabteilung" und sei stolz auf die "gute Zusammenarbeit" mit dem im NS-Regime für die Verfolgung, Vertreibung und Deportation von Juden zuständigen Adolf Eichmann gewesen - auch bei den KZ-Transporten, wie Walzer erklärte. Genee betonte indes, Murmelsteins Kontakt zur Gestapo habe 70.000 Juden zur legalen Ausreise verholfen und somit gerettet. Er sei ein "Sinnbild jüdischer Tragik" jener Zeit gewesen.

Lernprozess muss weitergehen

Nägeles Vorgänger als IKG-Generalsekretär, Raimund Fastenbauer, hob Fortschritte im Umgang mit dem jüdischen Erbe und der Geschichte hervor, warnte zugleich aber vor neuen Bedrohungstendenzen. So habe sich in Österreich einerseits der schulische Zeitgeschichte-Unterricht in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert, der Besuch der Gedenkstätte Mauthausen sei zum Teil der Schulbildung geworden, das Weltkriegsende-Gedenken am 8. Mai werde mittlerweile als "Tag der Befreiung" gefeiert und auch die christlichen Kirchen hätten mit dem Zweiten Vaticanum eine deutliche "Umkehr" in ihrer Beziehung zum Judentum vollzogen. "Es ist etwas geschehen. Doch leider bedurfte es dazu der Shoah", so Fastenbauer.

Trotz dieser erfreulichen Entwicklungen sei Wachsamkeit gegenüber neuem Antisemitismus "von rechts, von links und von islamistischer Seite" jedoch unbedingt angebracht, hob der Alt-Generalsekretär der IKG hervor. "In Frankreich packen Juden heute wieder ihre Koffer, und in der EU-Hauptstadt Brüssel wird Juden geraten, besser keine Kippa zu tragen", so Fastenbauer. In Ostdeutschland erstarke die Neonazi-Szene wieder und an Vorfällen wie in der Synagoge von Halle werde sichtbar, "dass psychopathische Einzeltäter eine latente Bedrohung darstellen".

Besondere Sorgen bereiten Fastenbauer muslimische Immigranten und Flüchtlinge, die "nicht von Geburt an Antisemiten sind, doch antisemitisches Gedankengut in ihrer Heimat mitbekommen haben"; ebenso auch die Nachkommen der Gastarbeiter in zweiter oder dritter Generation, die "wegen mangelhafter Integration anfällig für Radikalisierung" seien. Derselbe Lernprozess, den das Christentum gemacht habe, müsse auch der Islam durchlaufen, forderte der ehemalige IKG-Generalsekretär. "Auch im Koran und in den Hadithen müssen antisemitische Auslegungen überwunden werden."

Wurzeln deutlich machen

Die Initiative zum "Tag des Judentums" geht auf die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz zurück. Auch in Italien, Polen und den Niederlanden wird der Tag des Judentums begangen. Das Datum dafür wurde bewusst gewählt: So sollen die Kirchen den Geist dieses Tages in die anschließende weltweite "Gebetswoche für die Einheit der Christen" (18. bis 25. Jänner) weiter tragen; denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, so die Veranstalter. Die Wiener Einstimmung zu dem Tag wurde von der Initiative "Vernetzte Ökumene Wien West" in Zusammenarbeit mit dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstaltet.

Gesammelte Berichte zum "Tag des Judentums" sowie zur "Gebetswoche um die Einheit der Christen" bietet ein Kathpress-Themenschwerpunkt unter www.kathpress.at/oekumene

Orthodoxe Große Wasserweihe am Wiener Donaukanal

Metropolit Arsenios (Kardamakis) fügte bei der Feier eine besondere Fürbitte für die weltweit verfolgten Christen hinzu - Mehr Gläubige als in den vergangenen Jahren nahmen teil mehr…